Nepal, du hast mich verzaubert

Erster Teil

Um eine Sache schon mal vorweg zu nehmen: ich habe mich verliebt. Nepal hat mich so aus den Latschen gehauen, wie es sonst nur das Lächeln eines attraktiven Mannes vermag. 
Mit Nepal habe ich bisher vor allem den Himalaya, Bergsteigen und das Erdbeben von 2015 assoziiert.
Wer nun wie ich, ohne viel über das Land zu wissen, auf gut Glück in dieses Land reist, wird überrascht und überwältigt werden. Nepal ist so viel mehr! 

Wir reisen von Indien über die Grenze in Sunauli nach Nepal ein. Es ist nach 22 Uhr als uns der Ausreisestempel in den Pass gehauen wird und wir im Nebel auf den einzigen Rikschas weit und breit durch die geisterhafte Grenzstadt fahren. Die Kleidung und Rücksäcke sind klamm. Wir ducken uns unter dem Schlagbaum, passieren den Transitbereich und erreichen ein Grenzhäuschen. Mit herzlichen Willkommensgrüßen und einem Lächeln im Gesicht empfängt uns ein nepalesischer Grenzbeamter. Innerhalb von 5 Minuten klebt das nepalesische Visum in unseren Pässen. In einem schäbigen Hotelzimmer voller Mücken, Schimmel und einem muffigen Geruch kommen wir für den Rest der Nacht unter. Beim Betätigen der Toilettenspülung rauscht das Wasser aus dem Spülkasten und ohne Umweg über die Schüssel direkt auf den gefliesten Boden. Zum Glück gibt es Badelatschen... Am nächsten morgen geht es dann in aller Frühe weiter zum Chitwan Nationalpark im Süden des Landes.
Die Nepalesen sind ein ausgesprochen freundliches Volk. Egal ob es sich um den Grenzbeamten handelt, den Taxifahrer oder die Besitzerin einer Lodge - jeder begegnet einem auf so herzliche Art und Weise, dass unweigerlich der Gedanke aufkommt, wo denn der Haken an der Sache sei. Es erschreckt mich, dass ich so denke, wenngleich ich mir sicher bin, dass es vor allem am Kontrast zu Indien liegt, wo Freundlichkeit gegenüber Touristen darauf abzielt, Gewinn aus dem eigenen Geschäft oder Anliegen zu ziehen. In Nepal erfahre ich echte Aufrichtigkeit, die mich an meine eigene Nase fassen lässt. Es ist wesentlich einfacher, Galanterie von anderen Menschen zu verlangen, als selbst stets aufgeschlossen und aufmerksam zu ein. Der Gedanke, dass Indien mich ein wenig abgestumpft hat, kommt auf. Die schiere Masse an Leuten, die ihre Waren oder Dienstleistungen feil bieten und einen bedrängen, sein Geld für Nippes auszugeben, war kaum zu händeln, ohne teils auch Ignoranz an den Tag zu legen. In Nepal sieht das alles etwas anders aus. Ich frage mich, ob mir Nepal so gut gefällt, weil die Menschen etwas distanzierter und höflicher sind, oder ob es daran liegt, dass ich mir selbst besser gefalle, weil ich nicht zig Menschen am Rockzipfel habe, derer ich mich mehr oder minder freundlich und entledige. Es tut weh, festzustellen, dass ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werde; ich nicht so freimütig und aufgeschlossen bin, wie ich dachte. Indien liegt zwar hinter mir, nichtsdestotrotz fängt mein Gehirn erst jetzt wirklich an zu begreifen, was es alles an Eindrücken bekommen hat. 
Solche und viele andere Gedanken gehen mir im Kopf herum, während wir immer weiter in Richtung Dschungel fahren.


Der Chitwan Nationalpark bietet viel zu sehen und zu entdecken. Auf einer Tour durch den Dschungel beobachten wir Rhesus-Affen, Rotwild, Krokodile und verschiedenste Vögel. Aus der Ferne können wir sogar ein Nashorn mit seinem Kind erspähen. Die Tiere können äußerst gefährlich werden, wenn sie sich bedroht fühlen, deshalb tut man gut daran, auf Abstand zu bleiben. Weitere Bewohner des Dschungels sind unter anderem indische Elefanten und bengalische Tiger. Letztere haben wir nicht gesehen. Wilde Elefanten gibt es nur sehr wenige, weshalb in einer Elefantenaufzuchtstation versucht wird, die Art zu erhalten und die dortige Population zu erhöhen. Sieht man jedoch, wie dieser Versuch aussieht, erschaudert man und lehnt jegliche Spende oder das Angebot auf einem Elefanten zu reiten, ab. Die Tiere werden mit Feuer, Nahrungsentzug und Distanz zum Muttertier gefoltert und so zu Gehorsam gebracht. Es zerreißt mir das Herz, die angeketteten Tiere zu sehen. Sie sind weder in der Lage einander zu erreichen, um familiäre Nähe zu spüren, noch können Sie sich bewegen, wie ein so großes Tier es bräuchte. Zudem erfahre ich, dass Elefanten, sind sie einmal ausgewachsen und in die Freiheit entlassen, nach kurzer Zeit wieder zurückkehren, da sie nicht in der Lage sind, sich ihre Nahrung zu besorgen. In Gefangenschaft bekamen sie stets vorgefertigte Essenspäckchen und haben so nie gelernt, sich ihre Nahrung selbst zu beschaffen.


Die Morgen in Nepal sind von Nebel gekennzeichnet und es ist recht kühl. Obzwar die Sonne scheint und es im Laufe des Tages wärmer wird, umfängt uns in der Früh am Tag unserer Abreise in Richtung Norden des Landes kalte Luft. Im Local Bus fröstelt's mich, aber der Kaffee in der ersten Pause bringt die Lebensgeister zurück. Ich genieße die heiße schwarze Brühe auf einer Mauer am Rastplatz. Dahinter befindet sich ein riesen Berg leerer Plastikflaschen, für deren Entsorgung sich niemand zuständig fühlt. Die ständige Konfrontation mit Müll macht mich wütend und ein Gefühl der Ohnmacht breitet sich in mir aus. Wie soll die Welt sich von der durch den Menschen verursachten Schmutzschicht befreien, wenn dieser immer weiter gedankenlos konsumiert und sich um den Effekt in keiner Weise schert? Dass Plastik eine verheerende Ökobilanz hat, ist das eine. Das andere ist, mit welcher Gedankenlosigkeit in Plastik Verpacktes konsumiert wird, obgleich es Alternativen gibt. Mit viel Müll im Kopf geht es jedoch zügig weiter.
Die Fahrt nach Pokhara ist ein Abenteuer, begleitet von Angst und Adrenalin. Die Straße verdient diese Bezeichnung als eben solche kaum. Auf ein Schlagloch folgt das nächste, der Bus weicht, ohne das Tempo zu droßeln, Stein- und Schutthaufen aus und entgegenkommende Fahrzeuge sind kein Hindernis für wagemutige Überholmanöver. Zur linken des Busses erstreckt sich der Hang steil hinunter zum Ufer. Der grün-blaue Streifen des Wassers begleitet unseren Weg sehr lange und so wie die Fische im Fluss strömen meine Gedanken immer weiter. Es ist wunderbar, zu merken, wie frei und ohne Grenzen sich in meinem Kopf Worte bewegen und Gedanken formen, um wiederum von neuen Eindrücken abgelöst zu werden.


Aus dem Synapsenchaos werde ich herausgerissen, als wir Pokhara erreichen. 
Das Ziel unserer nächsten Etappe haben wir nun erreicht und es gilt, sich auf unseren Trek vorzubereiten. Wo soll es hin gehen, welche Besorgungen müssen wir noch machen? Für derlei Dinge nehmen wir uns die nächsten drei Tage in dem touristisch sehr erschlossenen Städtchen Zeit. Im Touristenbüro erstehen wir die Trekking-Erlaubnis und Eintrittskarte für den Nationalpark. Wir registrieren uns als selbstständige Trekker ohne einen Führer, da der Annapurnabasecamp Trek (gemeinhin auch schlicht als ABC oder Annapurna Sanctuary) auch ohne Ortskenntnis gut begehbar ist. Für Lara leihen wir einen Schlafsack und kaufen uns Trekking-Stöcke, natürlich von "Leki". In Pokhara etwas zu finden, das nicht ein Fake bekannter Marken ist, ist quasi unmöglich (und auch unsinnig). Hier wimmelt es an Geschäften die Daunenjacken, Rucksäcke, Hosen, T-Shirts und allerlei andere funktionstüchtige Kleidungsstücke für geringes Geld feil bieten. Per Zufall stoße ich auf eine (diesmal originale) Trinkflasche, von der mir eine norwegische Reisende erzählt hat: LifeStraw ist wiederbefüllbar mit Wasser aus jeglichen Quellen, ganz gleich ob es sich um Leitungswasser, dem Wasser aus einer Pfütze oder aus einem Fluss handelt. Der eingebaute Filter reinigt das Wasser von Bakterien und Parasiten, sodass der durstige Wanderer jederzeit sauberes Trinkwasser zur Hand hat. Ich bin überglücklich, das Plastikproblem zumindest für mich gelöst zu haben. Frei davon, mir Wasser in Einwegflaschen kaufen zu müssen und natürliche Ressourcen ohne viel Aufwand und Schmutz nutzen zu können, gelange ich in Hochstimmung und meine Aufregung, in den Himalaya zu gehen wächst. Bevor wir am Morgen des 30. 1. mit einem Taxi nach Naya Pul fahren, von wo aus unser Trek startet, schlafen wir eine letzte Nacht in den bequemen Betten unseres Hostels und ahnen noch nichts vom Ausmaß der Anstrengung, die uns in den nächsten Tagen erwartet...
 

Indien ist wie Lakritz

Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder man liebt oder man hasst dieses Land. Die Eindrücke, die in Indien auf einen einprasseln sind so zahlreich, verschieden und verwirrend, dass es einiger Zeit bedarf, die eigenen Gedanken zu ordnen und Schlüsse aus dem Erlebten zu ziehen. Wer in Indien ankommt, rennt gegen eine Wand aus Gestank, Lärm und vielen Farben. Die Gegensätze von atemberaubender Schönheit und erdrückender Armut sind kaum zu ertragen. Es erfordert einen gefestigten Charakter und einen treuen Reisegefährten, um hier nicht vor Verzweiflung das Handtuch zu werfen, sondern sich auf das Gewusel einzulassen und dieses Land zu erkunden.

Von Null auf Hundert begann das Abenteuer in Delhi. Diese Stadt ist gewiss kein Ort, um sich schrittweise in die indische Kultur einzufinden. Kaum ist man am Flughafen angekommen und hat den Visums-Stress hinter sich gelassen, erfolgt die Konfrontation mit diversen aufdringlichen Tuk-Tuk- und Taxifahrern. Vor Beginn der Reise hatte ich mir den Lonely Planet Reiseführer für Indien zugelegt. Da steht allerhand drin zur Infrastruktur, Kultur, den einzelnen Regionen mit deren wichtigsten Städten und Sehenswürdigkeiten. Das Ding hat sich zunächst als absolut wertvoll erwiesen, wenn es darum ging, Abzocke und fragwürdige Situationen zu vermeiden. Mit dem Wissen, dass wir am Flughafen besser ein Prepaid-Taxi nehmen und nicht in irgendeinen der anderen Wagen steigen sollten, bahnten wir uns den Weg durch die Menge und kamen nach einer langen Fahrt in unserem Hostel an. Die Prepaid-Taxen sind zwar ein bisschen teurer, dafür ist zumindest die Sicherheit gegeben, am Ziel anzukommen und nicht abgezockt zu werden. 
Allgemein bedarf es ein gewisses Verhandlungsgeschick im Umgang mit den Dienstleistern auf Indiens Straßen. Grundlegend kann man die Verhandlung bei 50 Prozent des genannten Preises aufnehmen und je nach dem, wie viel Geduld und Konsequenz man an den Tag legt, kommt ein guter Preis am Ende heraus. Da der Mensch am besten aus Fehlern lernt, musste ich zunächst einen überteuerten Pashmina-Schal kaufen. Es ist ein seltsames Gefühl, über Centbeträge zu diskutieren, aber man gewöhnt sich daran. Die Inder erwarten, dass verhandelt wird und manch einer ist regelrecht erboßt, wenn er nicht sein übliches Verkaufsgespräch führen kann. So bekommt man eine gewisse Routine und ein Gefühl dafür, welcher Preis für zwei Kilometer Rikschafahren angemessen ist.

Rikschafahren in Delhi - eine Herausforderung

Rikschafahren in Delhi - eine Herausforderung

Ich würde es als allgemein anerkannte Wahrheit bezeichnen, dass Indien zu Anfang zumindest heraus-, wenn nicht sogar überfordernd, ist. Aus Europa kennt man Supermärkte, in denen es alles zum Leben mehr oder weniger notwendige gibt. In Tabakläden werden Zigaretten sowie zum Rauchen erforderliches Zubehör verkauft. Und in Apotheken bekommt man sowohl eine Auskunft als auch diverse seriöse Medikamente. Dem ist in Indien nicht so. Hier einen Supermarkt ähnlich dem derer aus Westeuropa zu finden, ist eine Tagesaufgabe und, wenn ich ehrlich bin, vollkommen überflüssig. An jeder Straßenecke gibt es zahlreiche kleine Shops, in denen Snacks, Zigaretten, Desinfektionsmittel und Getränke angeboten werden. Scheinbar sehr beliebt sind Chips, deren Packungen in langen Ketten vor den Wellblechverschlägen hängen. Der Gedanke, dass ein solcher Laden auch Toilettenpapier und Rasierklingen verkauft ist zunächst abwegig. Fragt man jedoch nach irgendeinem Produkt, das man gerne hätte, verschwindet der Besitzer in der nächsten Ecke und erscheint nach kurzem Suchen mit einer Packung ayurvedischem Händedesinfektionsmittel. Ich hatte erst Zweifel, ob mir dieses Pflanzenzeug die ganzen E. Colis vom Leibe hält, aber ein Blick auf die Inhaltsstoffe verrät mir, dass das Ganze auf Alkoholbasis ist. Ayurveda ist auch hierzulande ein beliebter Marketingtrick. Solange es wirkt, soll's mir recht sein...

 

In Indien, insbesondere aber in Varanasi, nehmen Ayurveda, Yoga und der Hinduismus eine große Rolle im Leben der Menschen ein. In den engen, verwinkelten Gassen dieser Stadt wimmelt es von Händlern, die orange Blumenketten als Opfergaben für den Tempelbesuch verkaufen. Ketten, güldenes Klimbim und Räucherstäbchen liegen auf den Stufen vor Hauseingängen aus, Kühe versperren den Weg und deren Mist lässt den unachtsamen Spaziergänger ausrutschen. Katzen, Hunde und deren Welpen liegen auf den von der Sonne aufgeheizten Wegen und schlafen, während sich Pilger noch mit feuchten Haar von ihrem Bad im Ganges in Richtung Stadtkern drängen. Wer im Ganges badet, wird - so glauben die Hindus- von seinen Sünden gereinigt und erhält Absolution. Viele Hindus kommen noch vor ihrem Ableben nach Varanasi und sparen ihr Leben lang für eine Verbrennung und die danach folgende Bestattung im heiligsten aller Flüsse. Mit dieser Zeremonie kommt man unweigerlich in Berührung, sobald man an den Ghats entlangläuft. Ein Ghat ist die stufenartig aufgebaute Uferbefestigung, die die Stadt nahtlos mit dem Fluss verbindet. Kilometerweit erstrecken sich die Ghats in Varanasi, darunter befinden sich auch die zwei Verbrennungsghats. Von lauten Leidensgesängen begleitet wird der just Verstorbene von seinen männlichen Verwandten auf einer Totenbahre zum Fluss getragen. Eingewickelt in ein weißes Leichentuch und von unzählbaren orangenen Blumen bedeckt, ist der Tote nicht zu erkennen. Frauen sind am Ghat nicht erlaubt, was damit begründet wird, dass sich viele Witwen in der Vergangenheit mit auf den Scheiterhaufen geschmissen haben sollen. Am Ganges angekommen, wird die Bahre ins Wasser gelassen, wo die Reinwaschung des Leichnams erfolgt. Die Blumen türmen sich zuhauf am Ufer und werden in ihrer Anzahl von Kühen, die auf der Suche nach Essbarem sind, dezimiert. Dalits, in Europa bekannt unter der Bezeichnung der "Unberührbaren", arbeiten am Ghat. Sie stapeln Holz zu Scheiterhaufen, fischen den groben Dreck aus dem Ganges und kehren ihn von einer Ecke in die andere. Der Verstorben wird auf den Scheiterhaufen gebettet. Wenn die Familie es sich leisten kann, wird dem Feuer Sandelholz beigemischt, um den Geruch von verbranntem Menschenfleisch zu übertünchen. Es ist ein eigenartiger Geruch, der einem permanent in der Nase hängt. Nach ungefähr drei Stunden ist von dem Toten nicht mehr viel übrig. Ab und an sieht man allerdings Hunde am Ufer den Schmutz durchwühlen, um den ein oder anderen Knochen zu erwischen. Die Asche des Toten wird zu guter letzt im Ganges verstreut und die Familie räumt den Platz für die nächste Trauergesellschaft. Bis zu 300 Verbrennungen finden täglich an den Ghats in Varanasi statt. Ausgeschlossen von dieser Bestattungsform sind schwangere Frauen, Kinder, von einer Kobra gebissene, Sadhus (Hindu-Priester) sowie Tiere. Sie alle werden nach ihrem Tod auf den Ganges hinausgefahren und mit einem Stein am Fuß im Fluss bestattet. Die durch den Abbau der Leichenreste entstandenen Gifte und jene aus Fabrikabwasser verschmutzen den Ganges immens. Dazu kommt das Fäkalabwasser, das in den Fluss geleitet wird. Wie ein für eine Religion so bedeutsamer Fluss derart verschmutzt werden kann ist mir ein Rätsel. 

Das folgende Bild wurde von mir von einem Boot aus weiter Entfernung aufgenommen. Ich möchte klarstellen, dass ich die Religion und den Trauerprozess respektiere und in keiner Weise jemandem zu nahe treten möchte. Das Bild betrachte ich als eines mit hoch sensiblem Inhalt, der die von mir geschilderte Situation unterstreichen soll.

Einäscherung am Manikarnika Ghat

Einäscherung am Manikarnika Ghat

Dieser Widerspruch tut sich in vielerlei Dingen auf, denen man in Indien begegnet. Einerseits ist die Kuh ein heiliges Tier, für das Platz gemacht und erst recht nicht gegessen wird. Andererseits werden Kälber mit kurzem Strick angebunden oder träge Tiere von ihrem Besitzer die Straßen entlanggezogen. 


Es gab massig Momente, in denen ich überrascht war ob der Andersartigkeit und der Gegensätzlichkeiten dieser mir fremden Kultur. Sie haben mein Interesse geweckt, mich mehr mit dem Hinduismus auseinanderzusetzen, vor allem aber möchte ich verstehen, wie ein demokratischer Staat und das Kastensystem miteinander vereinbar sind. Das hat sich mir nicht erschlossen, was für mich unweigerlich bedeutet, dass ich wiederkommen muss. Vielleicht zieht es mich das nächste mal in den Süden, vielleicht aber auch wieder in den Norden. Fest steht, dass Indien einem Rätsel aufgibt, für deren Lösung ein Leben kaum ausreichen wird.

Varanasi am Abend

Varanasi am Abend

Indien - Einreise

Visum

Warum sollte es auch unkompliziert sein

Das mit den Visa ist ja so eine Sache. Für Indien haben wir das e-Visum für dreißig Tage vorab in Deutschland beantragt. Am Flughafen in Dubai sahen wir uns bei der Gepäckaufgabe einem ambitionierten jungen Angestellten gegenüber. Er fragte nach unserem Visum, von dem wir eine zusätzliche Kopie haben sollten. Leider hatten Lara und ich die Kopie unseres Antrages, nicht des Visums. Dieses hätte als Anhang einer E-Mail uns zugesandt worden sein. Nach längerer Suche ward die entsprechende Mail gefunden, in der unser Visumsantrag bestätigt, jedoch kein Anhang mit dem entsprechenden Formular vorhanden war. Die Lösung für unser Problem hatte der Flughafenangestellte aber direkt parat: Wir sollten die E-Mail an irgendeine Emirates-Adresse schicken, der Mann verschwand für 3 Minuten (wahrscheinlich ist er zum nächsten Büro in diesem riesigen Flughafen gesprintet) und brachte uns dann die Ausdrucke mit.

Als hätten wir ihn damit nicht genug beschäftigt, gab es ein weiteres Problem: Um nach Indien einreisen zu dürfen, wird ein Rückflugticket gefordert. Ich hatte davon schon gehört, aber auch, dass das selten kontrolliert wird und wenn mit anderen Verkehrsmitteln die Landesgrenze überschritten wird, die Einreise ebenfalls möglich ist. Wir werden über die Grenze in Sunauli nach Nepal einreisen, ganz entspannt mit dem Bus. Unseren Reiseplan für Indien haben Lara und ich in Dubai ausgeheckt, was im Nachhinein eine wirklich kluge Entscheidung war. Wir mussten am Flughafenschalter unseren detaillierten Reiseplan vortragen und zu guter letzt kam die Frage auf, ob wir denn ein Rückflugticket aus Nepal hätten (was nicht der Fall war). Die augenscheinlich erfahrenere Kollegin am Schalter neben uns hat ihrem Kollegen geraten, das alles so stehen zu lassen und uns nach Indien zu schicken, aber weil im Formular steht, der Rückflug müsse gebucht sein, hatte der arme Kerl Muffensausen. Also haben wir kurzerhand mit dem Handy ein Flugticket von Nepal über Kuala Lumpur nach Hanoi gebucht. Damit stand der Einreise dann nichts mehr im Wege. 
In Delhi angekommen, wurden unsere e-Visa gecheckt, wir mussten weder ein Flugticket noch Kontoauszüge oder sonst was vorzeigen und es ging alles schnell und gut über die Bühne. Einzig an meinem Geschlecht hat der Grenzbeamte gezweifelt. Mittlerweile nehme ich diese Reaktion von Seiten der Asiaten auf meine igelgleiche Erscheinung mit Humor...